Mit dem Rad um Malle

Vorab

 

Mallorca. Ich war ja schon in den entlegensten Orten der Welt, wie Uganda, Australien oder Singapur. Aber tatsächlich war ich noch nie auf des Deutschen liebster Insel. Und ganz ehrlich, Ballermann und tausende deutsche Touristen schrecken mich auch ziemlich ab. Ich weiß, dass es noch andere Ecken gibt, aber trotzdem wäre bzw. ist mir die Insel in der Saison zu überlaufen. Aber im November, außerhalb der Saison, und dann mit dem Rad? Das klang mir nach einer guten Idee. Das hatte mein Nachbar Mario zumindest vor. Und da bei mir der Haussegen gerade etwas schief hing, befand ich den Plan für ein gemeinsames nächstes kleines Abenteuer gut.

 

Also los, Flüge checken. Bäääm, 39,- Euro hin und zurück! Zack, sofort gebucht. Ökologisch und ökonomisch sehr fraglich, aber das Flugzeug wäre auch ohne uns geflogen ;) Alles in Allem kostet uns der Flug mit 10kg Handgepäck, einer kleinen Zusatztasche und Priority Check in 72,- Euro. Bei der Überlegung, wie wir das mit den Bikes machen, wird schnell klar, dass es das Sinnvollste ist, vor Ort zu mieten. Und da sind Angebot und Auswahl einfach klasse. Es gibt zwar fast nur Rennräder, was auf Malle jedoch auch Sinn macht. Wir entscheiden uns aufgrund der guten Bewertungen für Berganti Bikes in El Arenal. Die Räder kosten uns für fünf Tage inklusive Versicherung und einigen individuellen Einstellungen schlussendlich 140,- Euro. Fair und vor allem stressfrei, wie wir finden. Und für mich als Fachkraft für gestohlene Räder, dessen Fahrrad schon 2x gestohlen wurde, ist sogar ein Schloss dabei. Jippie. Wir müssen als nur unsere „Bikepacking – Taschen“ und die Helme mitbringen. Und das ist mit unserer gebuchten Gepäckoption gar kein Problem.

 

Jetzt buchen wir für die erste Nacht noch ein Hostel in S`Arenal, also nicht weit entfernt. Und dann, vier Tage später, kann es auch schon losgehen.

Anreise

 

Wir fliegen ab Nürnberg. Alles völlig unkompliziert, entspannt und easy. Ein Vorteil an Malle ist der kurze Flug. Nur zwei Stunden später landen wir in Palma. 18 Grad. Perfektes Radwetter. Wir schnappen uns den Bus in Richtung Hostel. Es geht vorbei an den ganzen Bettenburgen rings um El Arenal. Wer mich foltern wollte, würde mich für einen Urlaub in der Saison hierher einladen.

Das ist das Mallorca aus meinen Alpträumen. Egal, es ist Nebensaison und die Straßen und Promenaden sind fast leer. Wir kaufen uns im ersten Kiosk zwei Bier, stoßen an und machen das obligatorische Strandbild. Auf das, was kommen mag. Aber was soll schon großartig spektakuläres kommen? Wir radeln schließlich nur einmal um die Insel, und das entspannt in 5 Tagen.

Nachdem wir im Hostel eingecheckt haben und uns frisch gemacht haben, beschließen wir, etwas essen zu gehen. Viel hat nicht geöffnet, da ja keine Saison ist. Aber wir finden um die Ecke ein nettes Restaurant, in dem auch ich mit meiner „Essstörung“ fündig werde.

Und natürlich kommt es, wie es kommen muss. Wir essen sehr gut, trinken aber auch sehr gut. Denn dank einer geschickten Bedienung werden unsere Kaltgetränke einfach nicht leer. So vergehen Stunden und der Abend endet wie er nicht enden sollte....bei Burger King-Bier aus Pappbechern. Klasse, das geht ja gut los. Wir torkeln ins Hostel und gehen pennen.

 


Tag 1

 

Mit zerknittertem Gesicht erwache ich. „Tja, selbst Schuld“, denke ich. Ich verabrede mich mit Mario in einem Kaffee um die Ecke zum Frühstück. Nach Kaffee und einem Happen zu Essen geht es wieder etwas besser. Mit dem Bus fahren wir zum Radverleih nach El Arenal. Dort angekommen empfangen uns freundliche und überaus kompetente Mitarbeiter, welche uns die vorab gebuchten Räder überreichen. Wir haben uns für einfache Rennräder mit Felgenbremsen entschieden. Die Mitarbeiter sind uns behilflich beim Einstellen der Räder, und nachdem wir unsere Taschen und Utensilien angebracht und verstaut haben, sind wir startklar. Und so geht es über die Promenade entlang der „Ballermänner“ Richtung Osten der Insel. Wir beide sind Gravelbiker und haben null Erfahrung auf dem Rennrad. Aber das ist kein Problem. Wir freuen uns den Arsch ab über das zügige Vorankommen mit den Rädern. Wir verlassen die Promenade und radeln ins Landesinnere. Eine Weile fahren wir neben einer Autobahn auf einer kaum befahrenen Straße raus aus dem Touristenmoloch. Danach biegen wir ab und folgen zahlreichen kleinen Nebenstraßen durch die Provinz. Bei perfektem Radwetter genießen wir unsere ersten richtigen Mallorca-Momente.

Wunderschöne schmale Straßen, eingerahmt von Natursteinmauern, weisen uns unseren Weg. Wahrscheinlich sind Mallorquiner Natursteinmauerspezialisten oder -fetischisten. Egal, es ist schön, da wo wir gerade lang radeln. Recht zügig erreichen wir die kleine Stadt Campos, wo wir für ein Kaltgetränk und Essen stoppen. Hier gefällt es mir schon mehr, als in den Touristenhochburgen. Nach der Stärkung geht’s weiter nach Santanyi und den dazugehörigen Buchten. Die Cala Llombards ist sehr schön und soll wohl ein Geheimtipp sein. Allerdings halte ich das eher für ein Gerücht. Egal, wir sind dort allein als wir ankommen. So können wir das ungestört genießen, auch wenn wir natürlich kein Badewetter mehr haben. Auch in der nächsten Bucht, der Cala Santanyi, geht es uns so. Natürlich haben wir in der uns typischen Art übersehen, dass wir falsch abgebogen sind, um in diese Bucht zu gelangen. Also müssen wir unsere Bikes über eine steile Treppe nach oben tragen, um nicht den ganzen Weg wieder zurück fahren zu müssen. Unser heutiges Ziel ist noch 10 Kilometer entfernt, Cala d´Or. Ein Ort voller touristischer „weißer Bumsbuden“, wie ich beim Erreichen anmerken muss. Ein typischer künstlich erschaffener Touristenort eben. Am gebuchten Hostel hängt ein Schild mit meinem Namen und einer Telefonnummer. Einen Anruf später öffnet uns eine nette Dame die Tür zum von uns vorab gebuchten Hostel. Unspektakulär lassen wir den ersten Radtag ohne viel Bier und Schnickschnack gemütlich ausklingen. Hinter uns liegen 75 km und 520 Hm.


Tag 2

 

Nach erholsamer Nacht in dem wirklich guten Hostel frühstücken wir um die Ecke. Uns gegenüber sitzt die spanische Nationalmannschaft im Rauchen. Und bei dem, was die drei Menschen da wegrauchen, wird wohl Spanien auch in dieser Disziplin Weltmeister. Ganz sicher! Für uns geht es frisch gestärkt Richtung Norden. Nach kurzem Abstecher zum Strand fahren wir hinaus aus diesem wenig schönen Ort. Wir schaffen ganze elf Kilometer, bevor wir auf ein Kaltgetränk hinab in eine andere Bucht abbiegen. Nach erfolgreicher Aufnahme eben dieses Kaltgetränks fahren wir weiter, wieder hinauf auf die Schnellstraße, um auf deren Randstreifen weiter in Richtung Tagesziel zu strampeln. Einziger Vorteil der Straße ist, dass wir schnell vorankommen, um schnell wieder von ihr weg zu kommen. Um die Mittagszeit herum erreichen wir Porto Cristo. Ein wirklich schönes kleines Städtchen mit verwinkelten Gassen und einer schönen Kathedrale. Nach einer kleinen Runde durch den Hafen suchen wir uns ein nettes Restaurant. Wir machen Mittag und genießen die gerade scheinende Sonne. Wieder auf dem Rad, geht es hinaus aus der Stadt und dann über viele schmale Straßen vorbei an Finkas nach Arta. Hier ist Mallorca wirklich schön. Auch Arta entpuppt sich als richtig schöne, kleine mallorquinische Stadt. 

 

Ein weiteres Kaltgetränk später lassen wir auch diese Stadt hinter uns und sind wieder unterwegs zum Etappenziel, Cala Ratjada. Vor Cala Ratjada geht es für uns hinunter zur Bucht von Agulla. Nach einer kurzen Abfahrt finden wir uns an einem traumhaft schönen und einsamen Strand wieder. Vom Meer her kommt ziemlich straffer Wind, welcher große Wellen an den Strand drückt. Im Hintergrund sieht man auf einer Anhöhe dazu die Ausläufer von Cala Ratjada. Ein wunderschönes Schauspiel. Wir schieben unsere Räder bewusst über den von Qualen gesäumten Strand um die Szenerie für ein paar Minuten auf uns wirken zu lassen. Am anderen Ende der Bucht steigen wir wieder auf unsere Bikes und fahren den sich windenden Promenadenweg weiter, vorbei an Felsen und kleinen Buchten. Wir erreichen unser Ziel und checken in unser - von einem Schweizer betriebenen - Hotel ein. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, laufen wir hinunter zum Hafen. Dort genehmigen wir uns ein Dosenbier und philosophieren im Sonnenuntergang über Mallorca und seinen Eigenheiten. Um die Ecke finden wir auch ein Restaurant und können dort bei sehr gutem Essen den Abend ausklingen lassen. Natürlich gibt es im Hotel noch ein abschließendes Kaltgetränk, aber mehr passiert heute nicht mehr. Für morgen ist straffer Wind angesagt und da wollen wir fit sein. Heute entspannte 70 km und 750 Hm.


Tag 3

 

Wie geplant starten wir relativ zeitig nach einem guten Frühstück in Cala Ratjada. Heute wollen wir 65 km bis Port de Porcella fahren, und dort evtl. noch die 35 Kilometer hin und zurück zum Cap Formentor bewältigen. Diese Option lassen wir aber aufgrund des Wetters noch offen. Wie immer ist Mario morgens fitter als ich, aber damit kommen wir beide gut klar. Ich weiß ja, dass es nachmittags dann anders herum ist. Wir müssen heute viel Straße bewältigen, was aber aufgrund des breiten Randstreifens kein großes Problem darstellt. Und so kommen wir sehr zügig voran. Vom gemeldeten Gegenwind merken wir noch nicht viel. Noch nicht! Wir durchfahren erneut das schöne Arta und folgen der Straße nach Cala Can Picafort. Wieder so eine unansehnliche Touristenhochburg, voll von Hotels und Restaurants. Mein „Mallebild“ hat sich bisher, bis auf kleine Ausnahmen, noch nicht wirklich geändert. Aber vielleicht wird das ja noch. In Can Picafort merken wir aber das erste Mal den starken Wind. Dieser peitscht die Wellen über den Strand und die Promenade des Ortes. Fahren an der Promenade ist eher unangenehm. Und da wir ohnehin pausieren wollen, ziehen wir uns in den Ortskern zurück. Nach der Nahrungsaufnahme und der erfolgreichen Regulierung unseres Kaltgetränkehaushalts setzen wir unsere Reise fort.

Es geht, etwas abseits der Promenade, weiter nach Alcudia. Bis dahin kommen wir auch sehr gut und schnell voran. Jedoch wird der weitere Weg bis nach Port de Porcella vom Gegenwind diktiert. Es wird richtig, richtig windig und wir kommen mitunter kaum voran. Marios morgendliche Führungsposition geht hier ganz schnell verloren und auch seine Laune gleicht in diesem Moment einem Unwetter. Hinzu kommt, dass die Wellen von rechts gegen die Brandung geblasen werden und das Wasser bis auf die Straße spritzt. Und so werden die letzten drei Kilometer zu einer kleinen Herausforderung. Wir passieren vom Wind umgewehte Boote und mit Sand verwehte Straßen. Dazu erhalten wir ein kostenloses Sandpeeling an allen unbedeckten Körperstellen. Frisch gepeelt erreichen wir unser Domizil, welches ich vorher über Airbnb gebucht hatte. Unser Gastgeber Alan empfängt uns sehr nett und überlasst uns für heute Nacht seine Wohnung. Diese hätte sogar einen mega Ausblick über die Bucht - wenn schönes Wetter wäre.

Nach kurzem Ausruhen und einem „Beratungsbier“ entschließen wir uns dazu, es zu probieren zum Cap Formentor zu radeln. Notfalls würden wir eben umdrehen, uns eine Kneipe suchen, und den Abend dort „abradeln“. Die Straße zum Cap führt uns hinaus aus der Stadt und hinauf in die Berge. Ich merke, dass ich nicht wirklich fit bin nach der Fahrt hierher. Aber egal, weiter. Aber auch hier nimmt der Gegenwind mit jedem Höhenmeter zu. Mitunter bleibe ich fast stehen. Wir wollen die Situation auf der ersten große Anhöhe neu beurteilen. Dort werden wir jedoch fast weggeweht. Im Ernst, ich stehe da und mein Rad wird mir fast aus den Händen geweht. Sowas hab ich noch nicht erlebt. An ein Weiterfahren ist nicht zu denken, zu gefährlich! So stellen wir die Räder windgeschützt hinter einer Hütte ab und besuchen wenigstens den Aussichtspunkt, an dem wir uns hier befinden. Ein paar Bilder später radeln wir zurück, um unseren Notfallplan zu verwirklichen. Wir finden einen Pub und beschließen, uns dort häuslich einzurichten. Gesagt, getan. Und so trinken wir eben ein oder zwei Bier und beobachten spanische Zocker bei dem Versuch, das Computerprogramm eines Geldautomaten zu überlisten, was ihnen natürlich nicht gelingt. Draußen hat es begonnen, stark zu regnen. Und so schieben wir drei Stunden später, vom Pub leicht gezeichnet, unsere Räder zu unserem Domizil. Und so geht auch dieser Tag zu Ende. Zurückgelegt haben wir heute 65 km und 650 Hm.


 

Tag 4

 

 

 

Wir starten früh und suchen uns im Ort etwas zum Frühstücken. Es nieselt leicht und die Aussichten, den Tag trocken zu überstehen, sind ungefähr gleich null. Aber es ist ja nur Nieselregen. Noch! Nach dem Frühstück fahren wir raus aus Port de Porcella und weiter in Richtung der Berge. Wir wollen ins 60 Kilometer entfernte Soller und müssen dabei einen Pass von 1300 Höhenmetern bewältigen. Nach einer viertel Stunde entlang der Hauptstraße Richtung Süden dreht irgendwer den Wasserhahn auf und es beginnt wie aus Eimern zu regnen. Zeit für die Regenjacke. Einige Kilometer später verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf die Passstraße ab. Bis auf den Oberkörper, den die Regenjacke schützt, sind wir eine halbe Stunde später komplett durchnässt. Mario übernimmt seine gewohnte morgendlich Führungsposition und ich trete, ziemlich genervt vom Regen, missmutig in die Pedale. Ich denke an Möglichkeiten wie Bus und Taxi, um dem Ganzen hier zu entkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Rennradreifen ungefähr gar kein Profil haben und die Felgenbremsen auf den nassen Felgen ihren Job mit der Motivation eines „1-Euro-Jobbers“ ausführen.

 

Es geht immer steiler bergauf und überall an den Ränder entstehen Rinnsale. Von den Felsen am Wegesrand rinnen kleine Wasserfälle und immer wieder laufen die Wasserströme über die Straße. Was das wohl bergab werden soll mit den Reifen und den Bremsen? So asten wir uns durch den Regen den Berg hinauf bis zum Kloster Lluc. Wir erahnen dabei, wie schön die Landschaft hier sein muss bei schönem Wetter, sehen aber nur einen Teil davon. Der Rest ist vom Nebel verhüllt. Das Kloster liegt ca. auf Hälfte der Höhenmeter. Leicht erfroren und schwer durchnässt erreichen wir dieses und richten uns für eine längere Pause in einer der dort befindlichen Restaurants ein. Warme Getränke und Essen lassen uns uns etwas erholen, während draußen ein Gewitter einsetzt und die Welt unter zu gehen scheint. Eine Stunde später sagen uns unsere Wetterapps eine kurze Regenpause von einer Stunde vorher. Diese wollen wir nutzen, um möglichst viele der restlichen 30 Kilometer und 600 Höhenmeter hinter uns zu bringen. So schwingen wir uns mit unseren klammen Klamotten auf die Räder und radeln wieder los. Wetterapps und 2021 sind allerdings nicht kompatibel. Und so beginnt es 15 Minuten später wieder zu regnen. Und jedes „f... you“ in Richtung Himmel macht es gefühlt nur noch schlimmer. Müssen wir halt durch. Und so schaffen wir es, begleitet vom Dauerregen, über Straßen gespickt von Wasserüberflutungen, Geröll und kleinen Sturzbächen, uns den Weg hinauf auf den Pass zu bahnen. Wir passieren Stauseen und Tunnel IN (!) denen es regnet! Oben angekommen regnet es nicht mehr ganz so stark.

Vor uns liegt nun eine 15 Kilometer lange Abfahrt von 1300 Metern Höhe, hinunter auf 30 Meter ü.M. Und das mit diesen profillosen Monstern. Aber im Vergleich zur Auffahrt sind hier die Straßen insgesamt besser. Sie sind nass und hin und wieder läuft Wasser darüber, aber das ist ok. Und so rollen wir hinunter nach Soller. Einzig kalt ist es jetzt bei dieser Abfahrt, und die 15 Kilometer ziehen sich. Aber auch das vergeht und wir befinden uns auf der Zielgeraden. Kurze Zeit später irren wir durch den Einbahnstraßendschungel von Soller. Tausende von verwinkelten Sträßchen und Gassen später erreichen wir den Marktplatz und suchen uns ein Restaurant. Wir finden eins, welches sogar Heizstrahler im Außenbereich besitzt, und lassen uns dort nieder. Perfekt! Und vor allem … wir hab es geschafft! Sichtlich erleichtert stoßen wir auf diese Etappe an. Wenig später checken wir in ein Hotel um die Ecke ein. Mit zwei Föhnen und vier Bier bewaffnet machen wir uns daran, unsere Kleidung wieder halbwegs trocken zu bekommen. Den Ausklang findet dieser Tag im Hotelrestaurant, wo wir noch zwei Wanderer treffen und mit ihnen in Gespräch kommen. Nette Typen, reichlich Bier und hitzige Diskussionen über Grundsätze lassen den Abend zur Neige gehen. What a day.


 

Tag 5

 

 

 

Abermals gezeichnet vom Vortag und mit dem festen Willen, nie wieder etwas trinken zu wollen, beginnt der Morgen. Heute ist unser letzter Radtag und wir wollen über den Col de Soller, den bekanntesten Pass Mallorcas, zurück nach Palma radeln. Beim Auschecken treffen wir unsere Diskussionspartner vom Vorabend und alle Beteiligten müssen schmunzeln. Nette Typen, wirklich. Wir schnappen uns einen Kaffee und einen Snack beim gegenüber gelegenen Bäcker und machen uns kurz darauf auf die Socken. Und natürlich, es regnet. Aber wirklich nur leicht. Wir schlängeln uns aus der Stadt, biegen auf die Hauptstraße ab und fahren in Richtung Pass. Die 5 km Straße sind ziemlich nervig, da diese stark befahren ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sie nur einen ganz schmalen Randstreifen hat und aufgrund des anhaltenden Regens an vielen Stellen regelrechte Bäche über die Straße laufen. Und natürlich nehmen die „Hobby-Sennas“ wenig Rücksicht, so dass ich mit einer Wasserfontäne bedacht werde. Sichtlich genervt schaffe ich es bis zu dem Abzweig, an dem der eigentliche Pass beginnt. Mit Respekt nehmen wir die ersten Serpentinen auf uns. Kurve um Kurve und eine Serpentine nach der anderen winden sich unsere Räder den Pass hinauf. Aber dank der moderaten Steigung und dem nicht vorhandenem Verkehr macht es sogar Spaß. Heute sieht man etwas mehr. Immer wieder mal bekommen wir Blicke auf die sich hinauf windende Straße und die Landschaft. Und weniger angestrengt als erwartet erreichen wir recht zügig den Gipfel des Passes. Und ich bekomme hier oben tatsächlich die erhofften Esel zu sehen.

 

Vor uns liegt eine wunderschöne, wenn auch nicht ungefährliche Abfahrt durch gefühlt hunderte Serpentinen. Diese hinter uns gebracht, erreichen wir das kleine wuselige Dorf Bunyola. Hier ist es, das typisch mallorquinische Leben, abseits der Touristenorte. Wir schließen unsere Räder an und beschließen zu Mittag zu essen. Herrlich. In dem Ort geht es wirklich wuselig zu. Überall Einheimische beim Essen, Trinken und Quatschen. Nachdem wir uns verköstigt haben und das Treiben hier beobachtet haben, steigen wir auf die Bikes und rollen die restlichen 11 Kilometer hinunter nach Palma. Erst in Palma fällt uns dabei auf, wie wenig wir Städte und viele Menschen vermisst haben und wie einsam wir doch unterwegs waren. Und natürlich beginnt es wieder, mehr zu regnen. Und je näher wir Ballermann und Co. kommen, umso mehr schüttet es. Der Weg durch Palma ist recht nervig und wir beschließen, den Umweg über die Promenade zu nehmen, um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen. Wir stoppen für ein Kaltgetränk und machen uns danach auf den Weg ins Hotel. Ein günstiges, gutes Hotel, im Zentrum des Wahnsinns. Aber zum Glück ist keine Saison und wir bleiben verschont von Trinktouristen und Fußballprolls. Wir checken ein und bringen die Bikes zurück zum Radverleih, welcher nicht weit entfernt ist. Die Rückgabe läuft, genau wie die Ausleihe, komplett problemlos. Kurz später laufen wir auch schon zurück in Richtung Hotel. Um die Ecke des Hotels, in einer kleinen Kneipe, geht unser heutiges Radabenteuer dann zu Ende. Unspektakuläre 40 km und 600 Hm.


 

Letzter Tag und Abreise

 

 

 

Am letzten Tag passiert nicht mehr viel. Wir haben uns den Tag aufgehoben, um uns Palma anzuschauen. Wenn man schon mal da ist. Aber Palma ist eben auch nur eine Stadt wie jede andere. Die üblichen Klamottenläden und Fressbuden. So schlendern wir herum und suchen uns einfach nur ein nettes Restaurant, essen dort sehr gut und machen uns dann auch schon wieder auf den Rückweg zum Hotel. Abends gehen wir um die Ecke noch bei einem Peruaner essen, von dessen Essen wir mehr als angetan sind. Sehr empfehlenswert. Da unser Flug am Folgetag sehr zeitig geht, belassen wir es für heute bei diesem Ausklang. Die Nacht ist auch nicht wirklich schlafreich, da sich schräg unterhalb unseres Zimmers der wahrscheinlich einzige geöffnete Club der Insel befindet.

 

So steigen wir am Morgen dann mit mächtig Schlafmangel ins Taxi und lassen uns zum Flughafen bringen. Den Schlafmangel können wir am Flughafen und im Flugzeug etwas kompensieren. Und so endet unser kleines Abenteuer wenige Stunden später wieder daheim.

 

 

 

 

 

Fazit

 

 

 

Ich werde wohl nicht wirklich warm mit der Insel, zumindest in Sachen Urlaub. Aber für eine Radreise - bei schönem Wetter - komme ich gerne nochmal wieder. Und das kann ich auch wärmstens empfehlen. Man bekommt eben doch einen anderen Blickwinkel vom Rad aus und außerhalb der Saison. Und sicher könnte man das auch an zwei Tagen „runter reißen“. Aber das war nie unser Ziel. Wir wollten, wie immer, genießen und viele Eindrücke bekommen und nicht an Allem vorbei hetzen als gäbe es kein Morgen. Wärmstens empfehlen kann ich den Radverleih und das Innere der Insel ;)

 

 

 

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Kuckuck